Neuerscheinung
"Der Kaiser ist ein Lump und Spitzbube. Majestätsbeleidigung unter Kaiser Franz Joseph" - so der Titel des eben erschienenen Buchs von Philip Czech. Das Werk beschäftigt sich anhand der Verfolgung kritischer Äußerungen mit dem Verhältnis zwischen Herrscher und Untertanen im 19. Jahrhunderts. Aus grundrechtlicher Sicht interessant ist insbesondere das Verhältnis zwischen der in den Staatsgrundgesetzes von 1867 garantierten Meinungsäußerungsfreiheit und dem Strafrecht von 1852, das diese gerade in Hinblick auf politische Debatten ganz massiv einschränkte.Bis zum Untergang der Donaumonarchie wurden kritische Äußerungen über den Kaiser streng verfolgt. Diese Arbeit widmet sich der Geschichte der Majestätsbeleidigung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und untersucht, in welcher Weise Kritik an Franz Joseph I. gerichtlich geahndet wurde. Die strenge Strafdrohung und ihre praktische Anwendung geben Aufschluss über das Herrschaftsverständnis des Kaisers und seiner Regierungen. Zugleich erlaubt die Untersuchung der Motive der Täter und der näheren Umstände der Tatbegehung Rückschlüsse auf das Herrschaftsverständnis der Untertanen, ihre Anteilnahme am politischen Geschehen und die Erwartungen, die sie an ihren Kaiser stellten. Die Analyse des Inhalts der verfolgten Äußerungen und der konjunkturellen Entwicklung der Verurteilungszahlen zeigt, wie sehr Majestätsbeleidigungen mit gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen korrelierten und wie das Strafrecht zur Unterdrückung unliebsamer politischer Strömungen instrumentalisiert wurde.
Das Buch ist im Buchhandel oder direkt beim Böhlau Verlag erhältlich.
02.03.2010
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